Durch die Pandemie und die auf das Coronavirus SARS-CoV-2 fokussierte Berichterstattung ist in den Hintergrund gerückt, dass es neben COVID-19 noch andere Infektionskrankheiten gibt. Speziell in einigen beliebten Urlaubsländern gibt es Gesundheitsrisiken durch Virusinfektionen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) empfiehlt in ihrem aktuellen Epidemiologischen Bulletin verschiedene Impfungen für Reisende.
Hepatitis A
Dazu zählt auch die Impfung gegen das Hepatitis A-Virus (HAV). «Über die Hälfte aller neu diagnostizierten Hepatitis A-Virusinfektionen sind ein ungewolltes Reisesouvenir», sagt Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung und ergänzt: «Die Hepatitis A wird als ‘Reisehepatitis‘ bezeichnet. Sie tritt häufig in beliebten Urlaubsländern mit geringen Hygienestandards auf wie beispielsweise im Mittelmeerraum, Südostasien, Afrika, Mittel- und Südamerika sowie dem Vorderen Orient. Die Infektion mit dem Hepatitis A-Virus kann eine akute Leberentzündung hervorrufen, die allerdings nur in äusserst seltenen Fällen zu einem akuten Leberversagen führen kann.
Dies wird dann oft bei älteren Menschen beobachtet. Einen wirksamen Schutz gegen Hepatitis A-Virusinfektionen bietet nur die Impfung.»
Das Hepatitis A-Virus wird fäkal-oral übertragen. Häufig wissen Urlauber nicht, dass manchmal schon die Eiswürfel im Drink oder das Menü mit frischen Muscheln eine Gefahrenquelle sein kann. Darüber hinaus besteht bei bestimmten Praktiken die Gefahr einer Ansteckung bei Sexualkontakten.
Hepatitis B
Auch gegen das Hepatitis B-Virus schützt eine Impfung. Mit Kombinations-Impfstoffen, die gegen Hepatitis A und B schützen, ist die Anzahl der notwendigen Injektionen vermindert. Das Hepatitis B-Virus (HBV) wird durch Blut oder Körpersekrete übertragen. Zu den häufigsten Ansteckungsquellen zählen unter anderem Kontakte mit der Gefahr kleinster Hautverletzungen. Tätowierungen, Rasuren, Ohrlochstechen oder Piercings, die nicht steril durchgeführt werden, können zu einer Ansteckung führen. Auch beim ungeschützten Geschlechtsverkehr kann das Hepatitis B-Virus übertragen werden. Die Hepatitis B kann chronisch werden und in der Folge zu Leberzirrhose und Leberzellkrebs führen. Weltweit gibt es rund 250 Millionen Träger des Hepatitis B-Virus.
Wer gegen das HBV geimpft ist, baut gleichzeitig einen Schutz gegen die Hepatitis delta auf, da eine Hepatitis delta nur mit einer Hepatitis B entstehen kann.
Hepatitis C
Gegen ein weiteres Hepatitis-Virus steht bisher keine Schutzimpfung zur Verfügung: Das Hepatitis C-Virus (HCV) wird fast ausschliesslich über Blut-zu-Blut-Kontakte übertragen. Unsterile Tätowiernadeln, Piercings oder Rasiermesser sind die Haupt-Infektionsquellen. In einigen Regionen Asiens oder Afrikas tragen mehr als fünf Prozent der Bevölkerung das Hepatitis C-Virus in sich. Zur Behandlung dieser Virus-Variante gibt es erfolgreiche neue Medikamente, die direkt in den Vermehrungszyklus des Virus eingreifen (sogenannte DAAs – Direct Acting Antiviral Agents). Damit kann die chronische Hepatitis C bei fast allen Patienten in kurzer Zeit und nahezu ohne Nebenwirkungen geheilt werden.PS