Luftverschmutzung ist einer der Umweltfaktoren, die das Risiko für Krankheitsentstehung mit am meisten erhöhen. Laut der WHO-Studieninitiative «Global Burden of Disease» lag die Zahl vorzeitiger Todesfälle durch Luftverschmutzung 2016 bei rund fünf Millionen Fällen pro Jahr weltweit.
Umweltfaktoren wirken sich auf die Entstehung und den Verlauf entzündlich-rheumatischer Erkrankungen aus. So kann Luftverschmutzung eine Antwort des Immunsystems gegen bestimmte Fremdkörper und Entzündungsreaktionen auslösen. Zudem ist aus früheren Studien bekannt, dass die Entstehung von rheumatoider Arthritis mit dem Rauchen, aber auch mit der Nähe zu Strassen und verschmutzter Luft in Verbindung steht.
Der allgemeine Zusammenhang zwischen langanhaltender Einwirkung von schadstoffbelasteter Luft und dem Risiko, eine Autoimmunerkrankung zu entwickeln, war jedoch bislang unklar.
Analyse von Wohnort und Krankengeschichte zeigt klares Bild
Eine aktuelle Studie der Autoren um Giovanni Adami fand jetzt aber einen eindeutigen Zusammenhang zwischen luftverschmutzenden Partikeln und dem Auftreten von Autoimmunerkrankungen. Zu diesen Krankheiten gehören
- die rheumatoide Arthritis, aber auch
- Lupus,
- Sklerose und Bindegewebserkrankungen sowie
- Krankheiten des Magen-Darm-Trakts oder
- immunvermittelte neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose.
In der Studie werteten die Forschenden retrospektiv die Daten von 80000 Einwohnern aus ganz Italien aus, die im Zeitraum zwischen 2016 und 2020 erfasst worden waren. Sie analysierten die Luftqualität an verschiedenen Punkten und verglichen sie mit den Krankenakten der Bewohner in diesen Gegenden.
Zu den gemessenen Komponenten zählen feste Partikel und gasförmige Substanzen, die vor allem aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe in Industrie und Verkehr hervorgehen. In den Messungen war vor allem feste Partikelmaterie (PM) enthalten, die sich aus Schwermetallen, kohlenstoffhaltigen Substanzen, Gasen wie Kohlenmonoxid oder Stickoxid und anderen chemischen Komponenten zusammensetzt.
Partikelgrösse beeinflusst Erkrankungsrisiko
Es zeigte sich eine sehr deutliche Verbindung zwischen der Menge an Schadstoffpartikeln der definierten Grösse PM10, und dem Auftreten von Autoimmunerkrankungen. «Mit jedem Anstieg der PM10-Konzentration um 10 µg/m3 stieg das Risiko einer rheumatoiden Arthritis um sieben Prozent», erklärt Professor Dr. Hendrik Schulze-Koops, 2. Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh).
Mit einem erhöhten Risiko für andere Autoimmunerkrankungen stand PM10 nicht in Verbindung.
Personen, die hohen Mengen von kleineren Partikeln ausgesetzt waren (PM2.5), wiesen jedoch sowohl ein erhöhtes Risiko für rheumatoide Arthritis als auch für Bindegewebserkrankungen und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen auf.
Umweltschutzmassnahmen zur Verhinderung von Krankheiten notwendig
«Es zeichnet sich ab, dass die Häufigkeit von vor allem entzündlich-rheumatischen Autoimmunerkrankungen durch Umweltverschmutzung gefördert werden kann», so Professor Schulze-Koops.
Autoimmunerkrankungen traten in den vergangenen zehn Jahren häufiger auf als zuvor. Die Gründe dafür sind noch nicht vollständig entschlüsselt, aber grundlegend gehen Forschende von einem Zusammenspiel zwischen genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen wie Luftverschmutzung, aus.
«Auch wenn ein Verifizieren der Daten durch weitere Studien notwendig ist, sollten die Erkenntnisse Einzug in aktuelle Debatten finden. Es braucht dringend nachhaltige Massnahmen zur Verhinderung von Luftverschmutzung. Dies wäre ein wichtiger Beitrag zur Vorbeugung chronischer Krankheiten.»PS