Das Takotsubo-Syndrom, das vorwiegend bei Frauen nach der Menopause auftritt, wurde erstmalig vor 30 Jahren in Japan beschrieben. Trotz intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen sind viele Aspekte des Takotsubo-Syndroms weiterhin unklar. Unter der Leitung von Prof. Dr. Ingo Eitel, Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, und PD Dr. Thomas Stiermaier, geschäftsführender Oberarzt der Klinik wurde in den vergangenen Jahren das weltweit grösste Takotsubo-Register etabliert. Das deutsch-italienisch-spanische Register umfasst ca. 2.500 Patienten aus fast 50 Zentren und war bereits Grundlage zahlreicher Veröffentlichungen.
Auch positive Ereignisse lösen Takotsubo-Syndrom aus
Das Team des Universitären Herzzentrums verglich Takotsubo-Fälle, die durch negative Ereignisse ausgelöst wurden, mit jenen, bei denen positive Emotionen ursächlich waren. Dabei zeigte sich, dass nicht nur belastende Situationen, sondern auch positive Ereignisse das Takotsubo-Syndrom auslösen können. Dazu gehören zum Beispiel die Geburt eines Enkelkindes oder ein Sieg der richtigen Fussballmannschaft. Diese besondere Form der Erkrankung wird als Happy-Heart-Syndrom bezeichnet - in Anlehnung an den bekannteren Begriff Broken-Heart-Syndrom.
Männeranteil bei positiven Auslösern höher
Neben Unterschieden im Kontraktionsverhalten des Herzmuskels konnten die Forschenden interessante Aspekte zum Vorkommen unter den Geschlechtern aufzeigen. «Obwohl überwiegend Frauen vom Takotsubo-Syndrom betroffen sind, war der Männeranteil bei positiven Auslösern signifikant höher als bei negativen Stressoren», sagt PD Dr. Stiermaier.
Männer seltener betroffen, aber schlechtere Prognose
Der Einfluss des Geschlechts ist ein stetiges Thema in der Takotsubo-Forschung und wurde in einer separaten Forschungsarbeit von den Lübecker Experten näher untersucht. Nur elf Prozent aller im Register dokumentierten Fälle betreffen Männer. Im Vergleich zu Frauen mit Takotsubo-Syndrom wiesen Männer jedoch eine deutlich schlechtere Prognose mit einer erhöhten Kurz- und Langzeitmortalität auf. «Das Risiko, ein Takotsubo-Syndrom zu erleiden, ist bei Männern deutlich niedriger als bei Frauen. Tritt die Erkrankung aber bei Männern auf, ist das Risiko für Komplikationen und einen ungünstigen Verlauf erhöht», fasst Prof. Eitel die Ergebnisse zusammen.
Es wird angenommen, dass rund zwei bis drei Prozent aller Menschen mit einer akuten Herz-Symptomatik an einem Takotsubo-Syndrom leiden. Die Arbeiten liefern wertvolle Erkenntnisse zu dieser Erkrankung und helfen Ärzten bei der Diagnosestellung und Einschätzung des Verlaufs. Derzeit finden weitere Studien am Campus Lübeck zu den ursächlichen Mechanismen des Syndroms statt.PS