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High-Tech-Laufschuhe: Schutz vor Verletzungen oder einfach nur teuer?

Schützen teure Laufschuhe mit ihren Spezial-Features tatsächlich vor Verletzungen und Schmerzen beim Joggen? Ein aktueller Cochrane-Review ist dieser Frage nachgegangen.

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Wer schon mal versucht hat, in Bergstiefeln, Stilettos oder Badelatschen joggen zu gehen, der weiss: In Sportschuhen geht das besser. Doch welche der vielen unterschiedlichen Typen von Laufschuhen ermöglichen nicht nur sportliche Höchstleistungen, sondern schützen vor Lauf-Verletzungen und schmerzhaften Überbelastungen? Die Autoren eines neuen Cochrane-Reviews haben nun die wissenschaftliche Evidenz zu dieser Frage ausgewertet.

Cochrane-Review
Im Rahmen ihrer systematischen Suche im Juni 2021 fanden die Autoren
  • 12 randomisierte oder quasi-randomisierte Studien mit insgesamt mehr als 11.000 Teilnehmenden.
  • Die Läufer wurden einer von mehreren Vergleichsgruppen mit unterschiedlichem Lauf-Schuhwerk zugeteilt (Kasten).
  • Je nach Studie wurde dann 6 bis 26 Wochen lang nachverfolgt, wie viele der Sportler Verletzungen der unteren Extremitäten erlitten.
  • Darüber hinaus werteten die Autoren auch weitere Ergebnisse der Studien aus, etwa zur subjektiven Zufriedenheit oder zu der Frage, ob die Teilnehmenden sich in ihrem Hobby eingeschränkt fühlten.

Im Review wurden folgende Schuhtypen untersucht,
die Unterschiede sind jedoch oft unklar definiert:
  • Minimalistische Schuhe (Barfussschuhe) sind weder gedämpft noch stützend, dafür aber umso leichter.
  • Neutralschuhe dämpfen ein bisschen, bieten aber keine Stütze
  • Stabilitätsschuhe (auch: Stabilschuhe) sollen den Fuss stabilisieren und vor einem Einknicken nach Innen bewahren. Sie sind vor allem für Läufer mit einer Überpronation oder Senkfüssen gedacht.
  • Motion-Control-Schuhe oder Bewegungskontrollschuhe sind Stabilitätsschuhe mit noch stärkerer Stützfunktion.
  • Dämpfungsschuhe (Cushion-Schuhe) sind stark gedämpft, aber wenig gestützt
  • Schuhe mit harten vs. weichen Zwischensohlen: Hier wurde vor allem das unterschiedliche Ausmass der Dämpfung verglichen
Quelle: Wissen was wirkt

Unzureichende Studienqualität
Leider erlaubt die durchaus umfangreiche Evidenz kaum eindeutige Schlüsse. Grund dafür ist die nach den Kriterien von GRADE fast durchwegs niedrige bis sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz.

Fehlende Verblindung
Die grösste Schwäche der meisten Studien: Die Teilnehmenden wussten fast immer, welchen Typ von Laufschuh sie nutzten. Es mangelte also an der Verblindung, einem wichtigen Qualitätsmerkmal für aussagekräftige Studien. Zudem war die Zahl der Teilnehmenden für einige Vergleiche sehr klein.

Geringe Effektunterschiede
Dort wo sich verwertbare Hinweis aus der Evidenz ergeben, sprechen diese gegen grosse Effekte bestimmter Laufschuhe gegenüber anderen Typen. «Wir können uns deshalb über die tatsächlichen Auswirkungen verschiedener Laufschuhtypen auf die Verletzungsraten nicht sicher sein», so das ernüchternde Fazit der Autoren.

Für zukünftige Studien zum Thema fordern sie klarere Definitionen für verschiedene Typen von Laufschuhen und von Laufverletzungen. Bis dahin bleibt Läufern zur Freude der Hersteller wohl nur übrig, mit verschiedenen Modellen zu experimentieren, bis sie eines gefunden haben, mit dem sie gut zurechtkommen.PS

  • Zum Review
«Laufschuhe zur Prävention von Laufverletzungen der unteren Extremität bei Erwachsenen»

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