Forschende aus den Niederlanden haben Mikroplastik auch im menschlichen Blut nachweisen können, wie eine im «Journal of Science of the Total Environnment» publizierte Studie zeigt. Analysiert wurden fünf Polymere (PET, PE, PP, PS und PMMA), die in sehr grossen Mengen hergestellt und in vielen Konsum- oder Medizinprodukten verwendet werden. Menschen kommen täglich damit direkt in Kontakt. Die Forschenden befürchten, dass sich das Mikroplastik womöglich in den Organen festsetze und dies weitere Schäden mit sich bringen könnte.
Die Basler Nationalrätin Sarah Wyss will vom Bundesrat nun wissen, ob Mikroplastik weiterhin für die menschliche Gesundheit als «nicht bedenklich» eingestuft werden soll? In einer Interpellation verweist die SP-Politikerin auf mehrere Studien und erkundigt sich nach der (wissenschaftlichen) Einschätzung des Bundesrates.
«Mediziner zusehends besorgt»
Die Nationalrätin, die beruflich als Leiterin der ärztlichen Direktion der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) tätig ist, weist darauf hin, dass die Aufnahme von Mikro- und Nanoplastik über die Nahrung zu Änderungen im Verdauungstrakt führen kann. Diese werden mit Stoffwechsel-Erkrankungen, Diabetes, Fettleibigkeit und chronischen Lebererkrankungen in Verbindung gebracht.
Medizinerinnen und Mediziner, wie Sarah Wyss in der Interpellation weiter schreibt, sind zudem «zusehends um die Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf die Entwicklung von Kindern besorgt».
Es braucht mehr Forschung
In seiner Antwort verweist der Bundesrat zunächst auf die stark gewachsenen wissenschaftlichen Publikationen in diesem Bereich. Die Ergebnisse der Studie aus den Niederlanden liessen darauf schliessen, dass die Exposition des Menschen gegenüber Kunststoffpartikeln zu einer Absorption der Partikel in den Blutkreislauf führe und dass ihre Elimination aus dem Blut über Galle, Nieren oder Transfer in andere Organe möglicherweise langsamer erfolge als ihre Aufnahme ins Blut.
Eine übergeordnete Einschätzung, ob und gegebenenfalls welche Mikrokunststoffe für die menschliche Gesundheit als bedenklich einzustufen seien, sei «auf der Basis des aktuellen Kenntnisstandes aber noch nicht möglich», hält der Bundesrat in seiner Stellungnahme schliesslich fest.
Schweizer Gesundheitsstudie in Vorbereitung
Der Bund verfolge aber die internationale Entwicklung der Forschung und damit auch die Wirkungen einer Exposition von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit, steht in der Antwort weiter zu lesen. Und es würden auch gezielt Forschungsprojekte in diesen Bereichen gefördert. Darüber hinaus sei eine Schweizer Gesundheitsstudie in Vorbereitung, in der auch Messungen von Chemikalien und auch Mikroplastik in Humanproben vorgesehen seien, sofern dies methodisch machbar sei.PS