Initiativen zur Verbesserung des Wissensstandes über seltene Krankheiten konzentrieren sich derzeit vor allem auf die medizinische Ausbildung. Aber auch die Populärkultur ist in diesem Bereich möglicherweise ein nützliches pädagogisches Instrument.
Vor allem das Kino könnte die Öffentlichkeit mit Krankheiten vertraut machen, die in der alltäglichen medizinischen Praxis in der Regel nicht vorkommen, und dazu beitragen, dass Medizinstudenten, Angehörige der Gesundheitsberufe und die Öffentlichkeit mehr Wissen über seltene Krankheiten erwerben und eine entsprechende Einstellung entwickeln. Ein polnisches Wissenschaftlerteam untersuchte jetzt in einer Studie, wie seltene genetische Krankheiten in 20 populären Filmen dargestellt werden.
Wenig Wissenschaftsinfos, aber Problemsensibilisierung
Die meisten Filme beinhalten zwar keine angemessenen wissenschaftlichen Informationen über seltene Krankheiten. Folglich ist ihr filmisches Bild entweder ungenau oder vereinfacht. Das Kino beleuchtet jedoch ihre ethische, psychosoziale, rechtliche oder wirtschaftliche Dimension:
- die diagnostische und therapeutische Odyssee,
- die Rolle der Interessenvertretungen von Patienten mit seltenen Krankheiten bei der Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse,
- das Problem der Arzneimittel für seltene Krankheiten,
- die Stigmatisierung und Diskriminierung betroffener Patienten sowie
- die Auswirkungen der Diagnose auf das Selbstverständnis und die Schuldgefühle der Eltern.
Obwohl sich populäre Filme meist auf die Alltagsprobleme von Patienten mit seltenen Krankheiten konzentrieren und nur selten klinische Aspekte beschreiben, haben sie dennoch pädagogisches Potenzial. So können Filme dazu beitragen, die Öffentlichkeit für die psychosozialen und wirtschaftlichen Probleme von Betroffenen und ihren Familien zu sensibilisieren.
Petra Stölting, 05.09.2022