Therapien, die auf dem Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) basieren, nehmen in der Migränebehandlung und -prophylaxe mittlerweile eine Vorreiterrolle ein, sagen Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V (DMKG).
Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP)
Das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) spielt bei der Entstehung, Aufrechterhaltung und Chronifizierung der Migräne eine bedeutsame Rolle. «Zahlreiche Studien zeigen, dass CGRP und CGRP-Rezeptoren an nahezu allen wichtigen Prozessen der Migräne direkt oder indirekt beteiligt sind», erklärt Dr. med. Robert Fleischmann von der Universitätsmedizin Greifswald. Werden das CGRP oder sein Rezeptor blockiert, kann der Migräneschmerz ausgeschaltet werden. Für Patienten mit episodischer und chronischer Migräne sind CGRP-basierte Therapien somit eine revolutionäre Möglichkeit zur Vermeidung von Migräne.
Blockade des CGRP-Signalwegs
«In der Akutbehandlung wird die Freisetzung von CGRP schon seit Jahren indirekt erfolgreich mit sogenannten Triptanen verhindert. Die Weiterentwicklung der Gepante – Medikamente, die das CGRP direkt blockieren – erlebte zunächst einen Rückschlag durch eine erhebliche Leberschädigung», erklärt Fleischmann. In der Folge wurden neue Wege der gezielten Blockade des CGRP-Signalwegs gesucht und gefunden: Mittlerweile stehen monoklonale Antikörper als nebenwirkungsarme Alternative zur Verfügung. Sie unterdrücken entweder das CGRP selbst oder den CGRP-Rezeptor und wirken so prophylaktisch.
«Auf dem deutschen Markt gibt es mittlerweile vier Antikörper, die meist innerhalb der ersten zwei Behandlungswochen zu einer deutlichen Verbesserung der Migräneattacken führen und dazu kaum Nebenwirkungen haben», sagt Fleischmann. In der Zwischenzeit wurde eine neue Generation Gepante entwickelt, deren Anwendung in der Praxis mit Spannung erwartet wird.
«Interessant bleibt, ob CGRP-basierte Signalwege auch bei anderen Kopfschmerzarten oder sogar anderen chronischen Schmerzerkrankungen eine therapeutische Rolle spielen können», sagt Fleischmann. Dies sei Gegenstand mehrerer Studien. Für den Cluster-Kopfschmerz liegen bereits erste Ergebnisse vor, die den Experten vorsichtig optimistisch stimmen.PS