Nach einem Herzinfarkt erhalten Patienten mehrere Medikamente, um nachfolgenden Herz-Kreislauf-Ereignissen vorzubeugen. Dazu gehören unter anderem Blutverdünner sowie Blutfett- oder Blutdrucksenker. Jedoch nimmt über die Hälfte der Betroffenen diese Medikamente nicht dauerhaft und regelmässig ein. Die SECURE-Studie hat daher untersucht, ob eine Polypille, die die drei wichtigsten Wirkstoffe vereint, die Einnahmetreue verbessern und damit erneuten kardiovaskulären Ereignissen besser vorbeugen kann.
Polypille vs. übliche Behandlung
An der Studie nahmen Patienten teil, die innerhalb von sechs Monaten zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatten. 2499 Infarktpatienten wurden nach dem Zufallsprinzip der Polypillen-Gruppe oder der üblichen Behandlung mit drei einzelnen Tabletten zugeteilt.
Die Polypille enthielt
- Acetylsalicylsäure zur Blutverdünnung,
- den ACE-Hemmer Ramipril und
- Atorvastatin zur Senkung des Cholesterins im Blut.
Die übliche Behandlung lag im Ermessen des behandelnden Arztes. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 76 Jahre, ein Drittel waren Frauen.
Weniger tödliche Herz-Kreislauf-Ereignisse
Nach drei Jahren hatten signifikant weniger Teilnehmer aus der Polypillen-Gruppe erneute gefährliche oder tödliche Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten. So waren in der Gruppe mit Polypille 48 Patienten aufgrund von Herz-Kreislauf-Ereignissen verstorben, in der Kontrollgruppe waren es 71.
Aus Sicht des Studienteams könnte die Polypille ein fester Bestandteil der Strategien zur Verhinderung kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten nach einem Infarkt werden.
Vereinfachte Einnahme verbessert Behandlung
Studienleiter Prof. Valentín Fuster erklärt: «Die meisten Patienten sind nach einem akuten Ereignis wie einem Herzinfarkt zunächst vollständig therapietreu, aber das lässt nach den ersten sechs Monaten nach. Wir haben deshalb allen Studienteilnehmern von Anfang an die Polypille verabreicht, zu einem Zeitpunkt, in dem sie noch zuverlässig den Empfehlungen ihres Arztes folgten.»
Professor Wolfram Döhner vom Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), nationaler Studienleiter der SECURE Studie für Deutschland, ist von den Ergebnissen überzeugt: «Die vereinfachte Therapie mit weniger Tabletten verbessert die Behandlung der Patienten deutlich: Damit haben wir eine Win-Win-Win Situation für Patienten, Ärzte und das Gesundheitssystem: Die Polypille wirkt besser, ist leichter einzunehmen und senkt die Folgekosten für erneute Herz-Kreislaufereignisse.»PS
Die SECURE Studie ist eine europaweite Studie, an der insgesamt sieben Länder beteiligt sind, darunter Deutschland unter Leitung der Charité-Universitätsmedizin Berlin, gefördert durch die Europäische Union.