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Depression im Alter: Stereotype beeinflussen Therapieentscheide

Wie Ärztinnen und Ärzte über das Altern denken, kann ihre Behandlungsempfehlungen bei älteren depressiven Menschen beeinflussen. Zu diesem Schluss kommen Forschende aus Lausanne, gemeinsam mit Partnern aus Paris und Lüttich.

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Stereotype über das Altern können selbst ärztliche Entscheidungen beeinflussen. Darauf deutet eine kleine vignettengestützte Studie hin.

Die Untersuchung entstand unter Leitung von Forschende des Universitätsspitals Lausanne (CHUV) und der Universität Lausanne. Beteiligt waren zudem Institutionen der Sorbonne Université und des Institut du Cerveau in Paris sowie die Universität Lüttich in Belgien.
Gleicher Fall – unterschiedliche Empfehlungen
Das Team um Forschende der Alterspsychiatrie am CHUV in Prilly 57 Ärztinnen und Ärzte. Diese erhielten eine klinische Fallbeschreibung einer 82-jährigen Frau mit einer erstmaligen depressiven Episode unklarer Schwere (leicht oder moderat).

Die Teilnehmenden sollten zwei mögliche Behandlungsoptionen beurteilen:
  • Beginn einer antidepressiven Medikation
  • Beginn einer Psychotherapie

Zusätzlich erfassten die Forschenden mit der Ageing Semantic Differential (ASD)-Skala, welche Einstellungen die Ärztinnen und Ärzte gegenüber dem Altern haben.

Das Resultat: Trotz identischer Fallbeschreibung unterschieden sich die Behandlungsempfehlungen deutlich.
Altersbilder als möglicher Einflussfaktor
Die statistische Analyse zeigte einen Zusammenhang zwischen Altersbildern und therapeutischen Entscheidungen. Ärztinnen und Ärzte, die sich für eine Psychotherapie aussprachen, wiesen im Durchschnitt negativere Einstellungen zum Altern auf als jene, die diese Option ablehnten.

Für die Entscheidung, Antidepressiva zu beginnen, fand sich dagegen kein signifikanter Zusammenhang mit altersbezogenen Einstellungen.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Therapieentscheidungen bei Depression im höheren Lebensalter von vielen Faktoren beeinflusst werden. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass altersbezogene Vorstellungen von Behandelnden ebenfalls eine Rolle spielen könnten.

Aus Sicht der Forschenden unterstreicht dies die Bedeutung von Ausbildung und Sensibilisierung, um mögliche altersbedingte Verzerrungen in der Behandlung älterer Menschen zu reduzieren.

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