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imageGonorrhö zählt weltweit zu den häufigsten bakteriellen sexuell übertragbaren Infektionen. Symbolbild: Adobe Stock.

Game Changer bei Gonorrhö: FDA genehmigt zwei neue Medikamente

Die US-Arzneimittelbehörde hat im Dezember 2025 zwei neue orale Antibiotika zur Behandlung von Tripper zugelassen. Besonders Zoliflodacin gilt als Hoffnungsträger im Kampf gegen resistente Gonokokken. In der Schweiz steigen derweil die Fallzahlen.

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Gonorrhö zählt weltweit zu den häufigsten bakteriellen sexuell übertragbaren Infektionen; viele Verläufe bleiben asymptomatisch und begünstigen so die Weiterverbreitung. Auch in der Schweiz steigen die Fallzahlen: 2024 lag die Inzidenz bei 75,6 pro 100'000 Wohnbevölkerung und damit 17,7 Prozent höher als im Vorjahr.

Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist dieser Anstieg hauptsächlich durch intensiveres Testen in Risikogruppen erklärbar. Gleichzeitig warnt die WHO vor zunehmenden Resistenzen von Neisseria gonorrhoeae gegen etablierte Antibiotika wie Ceftriaxon und Cefixim.

Sparen am falschen Ort?
Ende Februar 2025 kündigte das BAG umfangreiche Sparmassnahmen an, darunter Budgetkürzungen für das nationale Programm «Stopp HIV, Hepatitis B‑, Hepatitis C‑Virus und sexuell übertragene Infektionen» (NAPS).

Bei Fachorganisationen stiessen die geplanten Sparmassnahmen auf deutlichen Widerstand. «Die angekündigten Kürzungen stehen in völligem Widerspruch zu den Zielen, die sich die Schweiz gesetzt hat, und gefährden die bisherigen Fortschritte», sagte etwa Léonore Porchet, Präsidentin von Sexuelle Gesundheit Schweiz.

Vor diesem Hintergrund kommt einer regulatorischen Entscheidung aus den USA besondere Bedeutung zu.
Zwei neue orale Medikamente
Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) hat im Dezember 2025 zwei neue Therapien zur Behandlung der unkomplizierten urogenitalen Gonorrhoe genehmigt:
  • Blujepa® (Gepotidacin) – für Patientinnen und Patienten ab 12 Jahren (≥ 45 kg), mit wenigen oder keinen Therapiealternativen aufgrund limitierter Sicherheitsdaten.
  • Nuzolvence® (Zoliflodacin) – für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren (≥ 35 kg) ohne Einschränkung auf spezielle Patientengruppen. Zoliflodacin ist der erste Vertreter der Spiropyrimidinetrione und hemmt bakterielle Typ-II-Topoisomerasen über einen neuartigen Bindungsmodus.
Beide Wirkstoffe werden oral verabreicht. Während Zoliflodacin als breiter einsetzbare neue Option positioniert ist (orale Einmalgabe), gilt Gepotidacin als Reservepräparat für ausgewählte Situationen.
Studienlage in Kürze
Zoliflodacin: Phase-III-Studie mit 930 Patientinnen und Patienten; Heilungsrate 91 % vs. 96 % unter Standardtherapie.

Gepotidacin: Phase-III-Studie mit 628 Patientinnen und Patienten; Heilungsrate 93 % vs. 91 % unter Standardtherapie.

Beide Studien erfüllten die Kriterien der Nicht-Unterlegenheit. Extragenitale Infektionen (pharyngeal, rektal) sind in den Zulassungen bewusst nicht eingeschlossen – auch als Massnahme zum Schutz gegen Resistenzen.

Internationale Fachkreise sehen in den FDA-Entscheiden einen Meilenstein. Besonders der Wirkstoff Zoliflodacin gilt als Hoffnungsträger. Gegenüber der American Sexual Health Association sagte Edward Hook, emeritierter Professor für Medizin an der University of Alabama:
«In einer Zeit, in der die Antibiotikaresistenz weltweit zunimmt, sind neue wirksame orale Antibiotika gegen antibiotikaresistente Gonokokken eine wichtige Ergänzung in der Versorgung von Menschen mit erhöhtem Risiko für sexuell übertragbare Infektionen.»
Das «British Medical Journal» bezeichnet die Neuzulassungen gar als potenziellen «Game Changer» in der Behandlung der Gonorrhoe. Ausschlaggebend sind aus Sicht der Autorin Katharine Lang mehrere Punkte, darunter der praktische Vorteil: Während das Standardmedikament Ceftriaxon gespritzt werden muss, wird Zoliflodacin als Granulat in Wasser aufgelöst und getrunken. Das erleichtere Adhärenz, Versorgungszugang und Umsetzung in unterschiedlichen Settings.

Gleichzeitig mahnt Kimberly A. Workowski von der Emory University School of Medicine in einem Kommentar in «The Lancet» zur Zurückhaltung. Neisseria gonorrhoeae passe sich seit Jahrzehnten mit hoher Geschwindigkeit an. Die Entwicklung neuer antimikrobieller Wirkstoffe zur Therapie der Gonorrhö habe daher weltweit hohe Priorität. Ergänzend betont sie den Stellenwert einer schnellen, präzisen Diagnostik «um Resistenztrends zu erkennen, neu auftretende Resistenzen frühzeitig zu identifizieren und mögliche Therapieversagen rasch zu erfassen.»

Wann die neuen Antibiotika in Europa zugelassen werden, steht momentan noch nicht fest.

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