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Konservierungsstoffe erhöhen Risiko für Krebs und Diabetes

Bestimmte Zusatzstoffe in Lebensmitteln können das Risiko erhöhen, an Krebs oder Diabetes zu erkranken. Das zeigen zwei neue Studien aus Frankreich. Die Forschenden werteten Daten von mehr als 100'000 Menschen aus.

Sarah Bourdely, Jehanne Picard8.1.20265"
Hochverarbeitete Lebensmittel stehen seit Längerem massiv in der Kritik. Zahlreiche Studien bringen sie mit Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung.

Im Dezember 2025 ordnete eine Lancet-Artikelserie ultrahochverarbeitete Lebensmittel als eigenständigen Risikofaktor für nichtübertragbare Erkrankungen ein. Ein UNICEF-Bericht warnte zeitgleich davor, dass insbesondere Kinder und Jugendliche durch Marketing, Preisgestaltung und Verfügbarkeit überproportional exponiert sind.

Während die Debatte bislang vor allem Zucker, Salz und Fette ins Visier nahm, rücken nun zunehmend auch Konservierungsstoffe in den Fokus der Forschung. Zwei neue französische Langzeitstudien liefern nun Hinweise darauf, dass eine höhere Aufnahme bestimmter konservierender Zusatzstoffe mit einem erhöhten Risiko für Krebs und Typ-2-Diabetes assoziiert ist.


Federführend an den beiden Studien beteiligt waren Forschende des französischen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung (Inserm), der Universität Sorbonne Paris Nord, der Universität Paris Cité und weiterer Partnerinstitutionen.

Das Team sammelt seit 2009 Daten im Rahmen der Studie NutriNet-Santé, die heute mehr als 182’000 Teilnehmende umfasst und bisher zu mehr als 300 internationalen wissenschaftlichen Publikationen geführt hat.

17 Zusatzstoffe einzeln bewertet

Beide Studien stützen sich auf Daten, die zwischen 2009 und 2023 erhoben wurden. Die Exposition gegenüber Zusatzstoffen mit konservierender Funktion (antioxidativ und nicht antioxidativ) wurde anhand wiederholter 24-Stunden-Ernährungsprotokolle erfasst, die Produkte, Mengen und Marken detailliert aufführen, und anschliessend auf die wichtigsten Lebensstilfaktoren adjustiert.

In der Ernährung der Teilnehmenden wurden bis zu 58 Konservierungsstoffe identifiziert; 17 davon, die von mindestens 10 Prozent konsumiert wurden, konnten einzeln analysiert werden.

BMJ Studie zum Krebsrisiko

Unter 105’260 Teilnehmenden wurden während der Nachbeobachtung 4’226 Krebsfälle registriert (darunter 1’208 Brustkrebsfälle, 508 Prostatakrebse, 352 kolorektale Tumoren und 2’158 weitere Krebsarten). Mehrere Substanzen waren mit einem erhöhten Risiko assoziiert:
  • Sorbate (Kaliumsorbat): +14% Gesamtrisiko; +26% Brustkrebsrisiko.
  • Sulfite (Kaliummetabisulfit): +12% Gesamtrisiko; +20% Brustkrebs.
  • Natriumnitrit: +32% Prostatakrebsrisiko.
  • Kaliumnitrat: +13% Gesamtrisiko; +22% Brustkrebsrisiko.
  • Acetate und Essigsäure: Zunahme des Gesamt- und Brustkrebsrisikos.
  • Erythorbate: +12% Gesamtrisiko; +21% Brustkrebsrisiko.
Dagegen zeigten 11 der 17 einzeln analysierten Konservierungsstoffe keine signifikante Assoziation. Einige dieser Substanzen könnten laut experimentellen Arbeiten mit immunologischen und entzündlichen Signalwegen interferieren und krebserzeugende Prozesse begünstigen, erklären die Forschenden, die zugleich betonen, dass diese Beobachtungen bestätigt werden müssen.

Nature Studie zu Typ-2-Diabetes

Die dem Typ-2-Diabetes gewidmete Studie zeigt ein klares Signal. Unter 108’723 beobachteten Teilnehmenden wurden 1’131 Fälle identifiziert, was folgende Beobachtungen erlaubte:
  • Ein hoher Konsum von konservierenden Zusatzstoffen (alle zusammen) war mit einer Erhöhung des Risikos für Typ-2-Diabetes um 47% verbunden.
  • Von 17 analysierten Konservierungsstoffen waren 12 mit einem Mehr­risiko assoziiert: Kaliumsorbat, Kaliummetabisulfit, Natriumnitrit, Essigsäure, Natriumacetate, Calciumpropionat, Natriumascorbat (Vitamin C), Tocopherol (Vitamin E), Natriumerythorbat, Zitronensäure, Phosphorsäure und Rosmarinextrakte.

Künftige Arbeiten sollen insbesondere die Exposition gegenüber Zusatzstoffen mit Entzündungsmarkern, Daten zum Darmmikrobiom und Blutbiomarkern verknüpfen, um die Wirkmechanismen dieser Substanzen besser zu verstehen. Langfristiges Ziel ist es, die derzeit von den Gesundheitsbehörden verwendeten Bewertungsrahmen weiterzuentwickeln.

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