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Mammographie: Nicht jede Frau braucht jährliches Screening

Eine US-Studie zeigt, dass eine am individuellen Risiko orientierte Brustkrebs-Früherkennung sicher ist – und keine vermehrten Spätdiagnosen nach sich zieht.

Sarah Bourdely6.1.20263"
Brustkrebs-Screening kann Leben retten. Der entscheidende Vorteil regelmässiger Kontrollen liegt darin, Tumoren früh genug zu erkennen – also in einem Stadium mit guten Heilungschancen. Gleichzeitig sind Screeningprogramme ressourcenintensiv.

Forschende der University of California zeigen nun, dass sich die Untersuchungsintervalle stärker an persönlichen Risikofaktoren orientieren lassen, ohne die Sicherheit der Betroffenen zu gefährden.
Jährliches vs. risikobasiertes Screening
Die in JAMA publizierte WISDOM-Studie verglich zwei Screening-Strategien: ein konventionelles Vorgehen mit jährlichen Intervallen und ein risikobasiertes Modell, bei dem Häufigkeit und Art der Untersuchungen an das individuelle Brustkrebsrisiko angepasst wurden.

In die erste Studienphase flossen Daten von rund 46 000 Frauen im Alter von 40-74 Jahren. Die Risikoeinstufung berücksichtigte unter anderem Alter, genetische Informationen, Brustdichte, persönliche Krankengeschichte und Lebensstilfaktoren.

Auf dieser Basis erhielten die Teilnehmerinnen unterschiedliche Empfehlungen – von verlängerten Screening-Intervallen bei niedrigem Risiko bis hin zu engmaschiger Bildgebung (alle 6 Monate) bei erhöhtem Risiko.
Sicherheit bleibt erhalten
Der primäre Endpunkt der Studie war klar definiert: Es sollte geprüft werden, ob das risikobasierte Screening zu mehr fortgeschrittenen Brustkrebserkrankungen führt als das konventionelle Vorgehen.
«The personalized approach begins with risk assessment, incorporating genetic, biological, and lifestyle factors, which can then guide effective prevention strategies», Laura J. Esserman, Direktorin Breast Care Center, University of California.
Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Die Rate fortgeschrittener Tumorstadien unterschied sich nicht signifikant zwischen den beiden Gruppen. Mit anderen Worten: Auch wenn Frauen mit niedrigem Risiko seltener untersucht wurden, hatten sie keine Nachteile gegenüber den Frauen, die jährlich untersucht wurden.

«Ressourcen von Frauen mit niedrigem Risiko hin zu Frauen mit höherem Risiko zu verlagern, ist ein effizienter und wirksamer Ansatz für die Brustkrebs-Früherkennung und -Prävention», sagt Koautor Jeffrey A. Tice von der University of California in einer Mitteilung.
Genetische Faktoren beeinflussen Risiko
Ein weiterer relevanter Befund betrifft die Rolle genetischer Faktoren. Die Studie zeigte, dass ein Teil der Frauen mit genetischen Risikovarianten keine bekannte familiäre Vorbelastung hatte.

Zusätzlich zu bekannten Hochrisikovarianten wurden polygenetische Risikoscores eingesetzt, wodurch 12 bis 14 Prozent der Teilnehmerinnen einer anderen Risikokategorie zugeordnet wurden. Dies unterstreicht, dass sich individuelle Risiken mit herkömmlichen Kriterien allein nicht immer zuverlässig erfassen lassen.
Einfluss auf bestehende Leitlinien
Die WISDOM-Studie zeigt, dass ein risikobasiertes Brustkrebs-Screening sicher umsetzbar ist. Sie liefert damit eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung bestehender Programme: weg von starren Intervallen, hin zu einer stärker personalisierten Früherkennung – ohne Abstriche bei der Sicherheit.

«Diese Ergebnisse sollten die klinischen Leitlinien zur Brustkrebs-Früherkennung grundlegend verändern und die klinische Praxis beeinflussen», sagt Laura J. Esserman, Direktorin des Breast Care Center der University of California und Erstautorin der Studie.

Zur Originalpublikation:
  • Laura J. Esserman, Allison S. Fiscalini, Arash Naeim et al.: «Risk-Based vs Annual Breast Cancer Screening», in: «JAMA», Dezember 2025.
  • DOI: 10.1001/jama.2025.24784


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