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imageIn-vitro-Tests von Antibiotika sind wichtig für die Therapieentscheidung. Symbolbild: Unsplash.

Neuer Labortest zeigt, wie effektiv Antibiotika einzelne Bakterien töten

Statt nur das Bakterienwachstum zu beurteilen, analysiert ein neu entwickelter Test aus Basel, ob Antibiotika einzelne Erreger tatsächlich abtöten – und wenn ja, wie schnell. Die Methode könnte helfen, Therapieerfolge realistischer einzuschätzen.

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Ein Forschungsteam aus Basel hat einen neuartigen Labortest entwickelt, der die Wirksamkeit von Antibiotika präziser erfassen soll als bisherige Standardverfahren.

Der Test misst erstmals systematisch, wie effektiv Antibiotika einzelne Erreger tatsächlich abtöten. Die Ergebnisse wurden kürzlich in «Nature Microbiology» publiziert.
Standardtests stossen an ihre Grenzen
In der klinischen Routine basiert die Beurteilung von Antibiotika meist auf Wachstumstests, etwa der Bestimmung der minimalen Hemmkonzentration (MIC). Diese Tests zeigen die kleinste Wirkstoffkonzentration einer antimikrobiellen Substanz, welche die Erregervermehrung in der Kultur noch verhindert – nicht jedoch, ob die Bakterien tatsächlich sterben.

Gerade bei chronischen oder schwer behandelbaren Infektionen wie Tuberkulose kann dies problematisch sein. Denn: Bakterien können in einen Ruhezustand übergehen. Sie vermehren sich dann zwar nicht, sterben durch die Antibiotika aber auch nicht ab. Nach dem Absetzen der Antibiotikatherapie könnten sie wieder aufwachen und weiterwachsen.
Einzelzellen statt Bakterienpopulationen
Das Team um Lucas Boeck vom Departement Biomedizin der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel entwickelte deshalb ein sogenanntes Antimicrobial Single-Cell Testing (ASCT).

«Wir filmen damit jedes einzelne Bakterium über mehrere Tage und beobachten, ob und wie schnell ein Medikament es tatsächlich abtötet», erklärt Lucas Boeck in einer Mitteilung. Im Gegensatz zu klassischen Tests liefert ASCT also genaue Informationen dazu, welcher Anteil der Bakterienpopulation durch die Therapie eliminiert wurde.
Toleranz als unterschätzter Faktor
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Neben der bekannten Antibiotikaresistenz spielt auch die Antibiotikatoleranz eine entscheidende Rolle. Zum einen zeigten sich Unterschiede zwischen den einzelnen Therapien, zum anderen zwischen Bakterienstämmen verschiedener Patientinnen und Patienten.

«Je besser Bakterien ein Antibiotikum tolerieren, desto schlechter sind die Chancen für den Erfolg der Therapie bei den Patientinnen und Patienten», fasst Lucas Boeck die Ergebnisse zusammen. Weiterführende Analysen zeigten, dass bestimmte genetische Eigenschaften dafür verantwortlich sind, wie gut Bakterien eine Behandlung mit Antibiotika überstehen.
Chance für Medikamentenentwicklung
Der neue Labortest ist derzeit ein Forschungsinstrument, zeigt aber das Potenzial für eine präzisere Bewertung von Antibiotika. Langfristig könnte er helfen, Therapien besser vorherzusagen, Toleranzphänomene zu erkennen und Behandlungsstrategien gezielter zu wählen.
«Mit unserem Testverfahren können wir Antibiotikatherapien individuell auf Bakterienstämme einzelner Patientinnen und Patienten abstimmen», Lucas Boeck, Studienleiter, Universität Basel.
Noch ist offen, wann und in welcher Form der Test in die Routinediagnostik Einzug halten könnte. Die Studie liefert jedoch einen wichtigen Impuls für die Weiterentwicklung der mikrobiologischen Diagnostik jenseits klassischer Wachstumstests.

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