Am Kantonsspital Baden wurde erstmals eine Schulterprothese mithilfe von Augmented Reality implantiert. Der Eingriff steht exemplarisch für eine generelle Entwicklung in der Chirurgie: Operationen werden digital geplant, simuliert und im OP durch Navigationssysteme unterstützt.
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Der Operationssaal wird zunehmend zum Hightech-Arbeitsplatz. Bildgebung, Navigation und digitale Planungssysteme verändern die Art, wie chirurgische Eingriffe vorbereitet und durchgeführt werden.
Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von Augmented Reality (AR) bei der Implantation von Schulterprothesen. Am Kantonsspital Baden wurde kürzlich erstmals eine Schulterprothese mithilfe eines AR-gestützten Systems implantiert.
Planung am digitalen Zwilling
Grundlage der Methode sind detaillierte CT-Daten, aus denen ein dreidimensionales Modell des Schultergelenks erstellt wird. Darin lassen sich Implantatgrösse, Position und Ausrichtung vorab planen und Bewegungsabläufe simulieren.
Dabei lässt sich auch prüfen, wie Kräfte später auf die Schulter wirken. «Man operiert die Schulter im Grunde schon vor der eigentlichen Operation», erklärt Karim Eid, Chefarzt Orthopädie und Traumatologie am KSB, in einer Mitteilung.
Navigation im Operationssaal
Während der Operation wird die Planung in Echtzeit umgesetzt. Eine Kamera erfasst die Position der Schulter und gleicht sie kontinuierlich mit dem virtuellen Modell ab. Auf einem Monitor oder über eine AR-Brille werden dem Operateur die geplanten Bohr- und Implantationsachsen eingeblendet.
Karim Eid (links) nutzt Augmented Reality bei einer Schulter-OP. Bild: Kantonsspital Baden.
Besonders hilfreich kann die Technik in Situationen sein, in denen anatomische Orientierungspunkte fehlen – etwa bei Revisionseingriffen oder starkem Knochenabbau. «In solchen Fällen muss man sonst immer wieder kontrollieren und korrigieren», erklärt Eid. «Mit der digitalen Navigation weiss ich jederzeit genau, wo ich mich befinde. Das erhöht die Sicherheit erheblich.»
Chirurgie im digitalen Ökosystem
Augmented‑Reality‑Navigation ist in der Schweizer Chirurgie kein völliges Neuland: Die Universitätsklinik Balgrist in Zürich setzt seit einigen Jahren AR‑Systeme in der Wirbelsäulenchirurgie ein, etwa im Rahmen des SURGENT‑Projekts mit der ETH Zürich. Medacta wiederum hat seine NextAR‑Plattform 2021 erstmals für inverse Schulterprothesen genutzt, unter anderem am Engeriedspital in Bern, und baut das System seither kontinuierlich aus.
Für Chirurginnen und Chirurgen bedeutet das: Der OP entwickelt sich immer stärker zu einem technologisch komplexen Umfeld. Augmented Reality ist Teil dieser Entwicklung: Chirurgische Eingriffe werden zunehmend durch digitale Technologien ergänzt – von präoperativer 3D-Planung über robotische Assistenzsysteme bis hin zu intraoperativer Navigation.
AR-Systeme ersetzen dabei nicht die chirurgische Expertise, sondern dienen als zusätzliche Orientierungshilfe – insbesondere bei anspruchsvollen anatomischen Situationen.