Während der Covid-19-Pandemie haben Wohlbefinden und psychische Gesundheit auch in der Schweiz gelitten – allerdings weniger stark als in vielen anderen Ländern. Das zeigt eine nationale Auswertung der COH-FIT-Studie (Collaborative Outcomes Study on Health and Functioning during Infection Times).
Federführend beteiligt waren Forschende der Universität Basel und der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) unter Leitung von Christian Huber.
Was wurde untersucht?
Die Analyse basiert auf einer standardisierten Online-Befragung in über 40 Ländern. Für die Schweiz befragt wurden zwischen April 2020 und Juni 2021:
- 4037 Personen zum subjektiven Wohlbefinden (WHO-5)
- 3375 Personen zur psychischen Belastung (P-Score)
Erfasst wurden unter anderem depressive Symptome, Angst, posttraumatische Belastung, psychotische Symptome und psychosomatische Beschwerden (Schlaf, Stress). Die Teilnehmenden schätzten zudem retrospektiv ihr Befinden vor Beginn der Pandemie ein.
International vergleichsweise günstige Werte
Die Pandemie führte auch in der Schweiz zu messbaren Einbussen im subjektiven Wohlbefinden und zu einer Zunahme psychischer Symptome. Das bestätigt frühere nationale Studien wie die
Corona-Stress-Studie der Universität Basel.
Im globalen Vergleich schnitt die Schweiz jedoch besser ab als viele andere Länder. Besonders stark belastet waren die Befragten in Südafrika, Mexiko, Belarus und Kasachstan. Die Gründe dafür lassen sich nur vermuten.
«Die Werte für das Wohlbefinden waren hierzulande bereits vor der Pandemie höher und die Massnahmen, um das Virus einzudämmen, waren weniger einschneidend als in anderen Ländern», sagt Erstautor Christian Huber von den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel
in einer Mitteilung.
Auch das Wissen um eine gute Gesundheitsversorgung sowie ein gutes Sozialsystem wirkte möglicherweise entlastend, so Huber. Ebenso könnte die Sterblichkeitsrate einen Einfluss gehabt haben.
Regionale Unterschiede in der Schweiz
Die Auswertung der Daten zeigt zudem regionale Unterschiede innerhalb der Schweiz. So seien die Werte im Tessin, in der Genferseeregion und in der Nordwestschweiz für mentale Gesundheit tiefer und für psychische Belastung höher als im Mittelland und in der Ostschweiz.
Das könnte zum Teil daran liegen, dass die ergriffenen Massnahmen kantonal unterschiedlich waren und den Alltag der Menschen verschieden stark beeinflussten, vermuten die Forschenden. Auch die Struktur könnte einen Einfluss haben:
«Dass soziale Kontakte eingeschränkt waren und Angebote für die Freizeitgestaltung wegfielen, könnte für die Menschen in Ballungsregionen stärker spürbar gewesen sein als für die Bevölkerung in weniger dicht besiedelten Gebieten», so Christian Huber. Auch die Einschränkungen beim Pendeln über die Landesgrenze hinweg könnte sich auf die empfundene Belastung ausgewirkt haben.