Palforzia® war seit 2020 (für 4–17-Jährige) und seit 2025 auch für Kinder im Alter von 1–3 Jahren zugelassen. Ziel der Therapie war nicht Heilung, sondern die Anhebung der individuellen Reaktionsschwelle, um schwere Reaktionen bei versehentlicher Erdnussaufnahme zu verhindern.
In Zulassungsstudien erreichten rund zwei Drittel der behandelten Kinder eine deutliche Toleranzsteigerung gegenüber Erdnussprotein – gegenüber unter 10 Prozent in den Placebogruppen. Zudem zeigte sich eine relevante Verbesserung der Lebensqualität.
Mit dem
Marktrückzug per 31. Juli 2026 entfällt diese Option vollständig. Für bereits behandelte Kinder drohen
Therapieabbrüche, für neu diagnostizierte Patienten besteht
keine zugelassene Immuntherapie mehr.
Stellungnahme der Fachgesellschaft
In einer
Pressemitteilung warnt die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin vor den Folgen:
«Dies [ist] ein grosser Schritt rückwärts für unsere erdnussallergischen Kinder. Palforzia® war das einzige bislang zugelassene Medikament für diese Patientengruppe in der EU. Nun gibt es gar kein zugelassenes Medikament mehr.»
Und weiter:
«Ein Marktrückzug von Palforzia® führt zu Versorgungslücken, gefährdet Therapieerfolge und erhöht das Risiko schwerer Reaktionen.»
Zudem gehe mit Palforzia® eine wirksame und geprüfte Behandlungsoption verloren, während alternative Ansätze – etwa die epikutane Immuntherapie – noch nicht verfügbar seien.
Relevanz für die Praxis
Für Ärztinnen und Ärzte bedeutet dies:
- Rückkehr zu strikter Allergenmeidung als alleiniger Strategie
- weiterhin hohe Bedeutung von Schulung, Notfallplänen und Adrenalin-Autoinjektoren
- steigender Beratungsbedarf bei Familien, die bereits in OIT-Programme eingebunden waren
- fehlende zugelassene therapeutische Alternativen trotz hoher Krankheitslast
Die Fachgesellschaft fordert daher verlässliche Systeme, um den Fortbestand potenziell lebensrettender Medikamente sicherzustellen.