Mit der zunehmenden Durchimpfung der Bevölkerung gegen Humane Papillomviren (HPV) wird das Risiko für Gebärmutterhalskrebs immer geringer. Forschende aus Norwegen und den USA haben deshalb untersucht, wie Screening-Programme angepasst werden könnten.
Die Forschenden simulierten hypothetische Kohorten von Frauen in Norwegen, die zwischen dem 12. und 30. Lebensjahr gegen HPV geimpft worden waren. Verglichen wurden verschiedene Screening-Strategien, wobei sich Startalter, Intervalle und die Anzahl an Tests über die Lebenszeit unterschieden. Neben den direkten Gesundheitskosten flossen auch Zeit- und Reisekosten der Patientinnen in die Analyse ein.
Weniger Screening schneidet besser ab
Das Ergebnis war eindeutig: Über alle Impfalter und beide untersuchten Impfstofftypen hinweg erwies sich ein weniger häufiges Screening als kosteneffektiver als das aktuell empfohlene Fünfjahresintervall.
Entscheidend war dabei vor allem, wie alt die Frauen zum Zeitpunkt der HPV-Impfung waren. Für Frauen, die bis zum Alter von 30 Jahren geimpft wurden, wären deutlich weniger intensive Screening-Programme sowohl kosteneffektiver als auch mit weniger potenziellem Schaden verbunden als die derzeitigen Empfehlungen.
Besonders ausgeprägt war der Effekt bei früh geimpften Frauen. Für jene, die zwischen dem 12. und 24. Lebensjahr gegen HPV geimpft wurden, lagen die bevorzugten Strategien bei Screening-Intervallen von 15 bis 25 Jahren. Das entspricht lediglich zwei bis drei Untersuchungen über die gesamte Lebensspanne.
Herdenschutz und Impfquoten entscheidend
Gegenüber dem Science Media Centre ordnete Jo Morrison, gynäkologische Onkologin am Somerset NHS Foundation Trust, die Studie als methodisch hochwertig ein. Gleichzeitig wies sie auf Einschränkungen hin: Norwegen habe eine relativ kleine und homogene Bevölkerung. «Weitere Studien in anderen Populationen werden nötig sein, um zu prüfen, ob sich das Modell breiter anwenden lässt», so Morrison.
Inhaltlich seien die Ergebnisse jedoch konsistent mit der bestehenden Evidenz. Frühere Übersichtsarbeiten wie etwa
zwei aktuelle Cochrane Reviews hätten gezeigt, dass HPV-Impfprogramme das Risiko für Gebärmutterhalskrebs und Vorstufen deutlich senken. Die aktuelle Studie füge sich damit in internationale Diskussionen zur veränderten Kosteneffektivität des Screenings ein.
Ein wichtiger Punkt bleibe die Impfquote, betont Morrison. Die Wirksamkeit der HPV-Impfung auf Bevölkerungsebene hänge auch vom Herdenschutz, von der HPV-Prävalenz und vom Impfverhalten ab. Annahmen aus Ländern mit hoher Durchimpfung seien nicht automatisch auf Regionen mit tieferen Impfquoten übertragbar.
Konsequenzen für Screening-Programme
Die Studienautorinnen und -autoren kommen zum Schluss, dass hochwertige Screening-Programme künftig stärker differenzieren sollten – insbesondere nach Alter bei der HPV-Impfung. Einheitliche Screening-Intervalle für alle Frauen könnten damit zunehmend an Bedeutung verlieren.
Für Gesundheitssysteme eröffnet dies die Perspektive, Ressourcen gezielter einzusetzen, unnötige Abklärungen zu vermeiden und gleichzeitig den Nutzen der HPV-Impfung besser auszuschöpfen.