Home/Erhöhtes Suizidrisiko bei Krebspatienten – Wie kann geholfen werden?
imageBild: Pixabay

Erhöhtes Suizidrisiko bei Krebspatienten – Wie kann geholfen werden?

Forschende des Universitätsklinikums Heidelberg und der Universität Regensburg haben in einer Auswertung umfangreicher internationaler Daten ein nahezu doppelt so hohes Suizidrisiko bei Krebspatienten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung festgestellt. Daraus ergibt sich die Frage, auf welche Risikofaktoren dies zurückzuführen ist, und wie das Suizidrisiko gesenkt werden kann.

Universitätsklinikum Heidelberg16.4.20223"
Die Diagnose einer Krebserkrankung ist ein gravierender Einschnitt in das bisherige Leben und kann bei den betroffenen Patienten zu Zukunftsängsten, psychischer Erschöpfung und depressiven Symptomen führen. Basierend auf Daten von knapp 47 Millionen Krebspatienten hat ein interdisziplinäres Team unter Leitung von PD Dr. Dr. Corinna Seliger-Behme, Oberärztin an der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) Häufigkeiten und Risikofaktoren für Suizidalität bei Krebspatienten untersucht.

Risikofaktoren
Die Analyse zeigt, dass Suizide bei Krebspatienten fast doppelt so häufig wie in der Allgemeinbevölkerung vorkommen. Das Suizidrisiko steht dabei in engem Zusammenhang mit verschiedenen Risikofaktoren wie
  • der Prognose der Krebserkrankung,
  • dem Krankheitsstadium,
  • der Zeit seit Bekanntwerden der Krebsdiagnose,
  • dem Familienstand oder
  • dem Wohnort.
Zukünftige Studien sollen auf Grundlage der Ergebnisse der Heidelberger und Regensburger Forschenden die Entstehung von Angst und Depression bei Krebspatienten genauer untersuchen. Ziel ist es, daraus Strategien und Massnahmen für die Suizidprävention abzuleiten.

Bei ungünstiger Prognose besonders hohes Risiko
«Patienten mit einer prognostisch besonders ungünstigen Krebserkrankung und solche, deren Krebsdiagnose weniger als ein Jahr zurücklag, zeigten in unserer Studie ein 3,5 bzw. 3-fach erhöhtes Suizidrisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Ein auffällig hohes Suizidrisiko war zudem bei Krebspatienten in den USA im Vergleich zu europäischen Krebspatienten zu beobachten», berichtet PD Dr. Dr. Corinna Seliger-Behme. «Eine mögliche Erklärung kann in der nicht flächendeckend vorhandenen gesetzlichen Krankenversicherung in den USA gesehen werden. Eine Krebserkrankung ist für amerikanische Patienten daher besonders häufig mit hohen finanziellen Belastungen verbunden und einem erschwerten Zugang zu Hilfsangeboten wie einer psychologischen Beratung», sagt Professor Dr. Dr. Michael F. Leitzmann, Direktor des Instituts für Epidemiologie und Präventivmedizin der Universität Regensburg.

Niedrigere Suizidrate bei Verheirateten
Und auch der Familienstand hat Auswirkungen: Verheiratete Krebspatienten wiesen eine niedrigere Suizidsterblichkeit auf als unverheiratete alleinlebende Krebspatienten. Aus Studien ist bereits bekannt, dass verheiratet zu sein suizidpräventiv wirkt, was vermutlich darauf beruht, dass der Partner eine Stütze bei der Bewältigung einer Krebsdiagnose sein kann. Aufgrund fehlender Daten war es allerdings nicht möglich, das Suizidrisiko von Krebspatienten zu bewerten, die in einer Beziehung leben, aber nicht verheiratet sind. Die Ergebnisse der Studie lassen sich zudem nicht auf alle Länder weltweit übertragen, da für die Auswertung primär Daten aus Industrienationen verfügbar waren.

Wichtig: Psychoonkologische Betreuung und Nachsorge
Eine Krebserkrankung stellt immer eine Ausnahmesituation dar, die grosse Herausforderungen mit sich bringt. Behandlungsbedürftige psychische Belastungen können sich entwickeln, bis hin zur Suizidalität. Eine psychoonkologische Begleitung kann Wege aufzeigen, mit Ängsten und Belastungen umzugehen, ein Gefühl von Kontrolle zurückzugewinnen und neue Perspektiven zu entwickeln. «Ein Suizid kann häufig verhindert werden, wenn entsprechende Gedanken offen angesprochen werden und frühzeitig eine psychoonkologische oder psychotherapeutische Betreuung eingeleitet wird. Der Zugang zu professioneller psychoonkologischer Begleitung und Nachsorge sollte daher ein integraler Bestandteil jeder Krebstherapie sein», sagt Oberarzt Dr. Till Johannes Bugaj, Leiter des psychoonkologischen Beratungsdienstes am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg.

Suizidprävention mit Palliativmedizin
Ein weiterer wichtiger Baustein für die Suizidprävention bei Krebspatienten bildet die Palliativmedizin. «Viele Menschen mit Krebs sind nicht depressiv im psychiatrischen oder psychotherapeutischen Sinne, sondern haben ganz konkrete Angst vor Siechtum oder anderem schlimmem Leiden», sagt Professor Dr. Bernd Alt-Epping, Ärztlicher Direktor der Klinik für Palliativmedizin des UKHD. «Um das zu umgehen, entwickeln manche Patienten Gedanken, das Leben vorzeitig enden zu lassen.» Diesen Gedanken setzt die Palliativmedizin breite Unterstützung und Symptomlinderung entgegen.PS

  • Zur Originalpublikation
Heinrich M et al.: Suicide risk and mortality among patients with cancer; Nature Medicine; 2022. DOI 10.1038/s41591-022-01745-y

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD)/Pressemitteilung, 12.04.2022

Rosenbergstrasse 115
8212 Neuhausen am Rheinfall
Telefon: +41 52 675 51 74
info@docinside.ch
www.docinside.ch

Handelsregistereintrag
Firmenname: DOCINSIDE AG
UID: CHE-412.607.286

Über uns
Bankverbindung

Schaffhauser Kantonalbank
8200 Schaffhausen
IBAN: CH76 0078 2008 2797 0810 2

Mehrwertsteuer-Nummer
CHE-412.607.286

Kontakte

Dr. med. Adrian Müller
Betrieb und Inhalte
adrian.mueller@docinside.ch

Dr. med. Richard Altorfer
Inhalte und Redaktion
richard.altorfer@docinside.ch

Dr. med. Christine Mücke
Inhalte und Redaktion
christine.muecke@docinside.ch

Copyright © 2021 Alle Rechte vorbehalten.
Powered by Deep Impact / Spectra