Grossflächige Verbrennungen lassen sich oft nicht ausreichend mit Eigenhaut decken. Forschende aus Zürich arbeiten deshalb an einem im Labor gezüchteten Hauttransplantat. Dieses ist elastisch und wächst mit dem Körper mit – ein entscheidender Vorteil bei jungen Patientinnen und Patienten.
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Schwere Brandverletzungen, bei denen grosse Teile der Haut zerstört sind, stellen Ärztinnen und Ärzte vor grosse Probleme: Nach der Erstversorgung muss die abgestorbene Haut entfernt und die Wunde schnell gedeckt werden, um Infektionen und Komplikationen zu verhindern.
Der aktuelle Standard – die sogenannte autologe Spalthauttransplantation – nutzt hierfür dünne Hautschichten, die von unverletzten Körperstellen entnommen werden. Bei grossflächigen Verbrennungen, wie sie die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana erlitten haben, ist aber oft nicht genug intakte Haut verfügbar.
Ein weiteres Problem, das vor allem Kinder und Jugendliche betrifft: Spalthaut wächst nicht elastisch mit. Die enstehenden Narben können Bewegung und Wachstum beeinträchtigen. Sie benötigen eine intensive Pflege zu Hause und erfordern im schlimmsten Fall zusätzliche chirurgische Eingriffe.
Züchtung lebender Haut im Labor
Ein Zürcher Forschungsteam hat deshalb eine Methode entwickelt, Hauttransplantate im Labor zu züchten. Aus einer kleinen Hautbiopsie werden im Labor Hautschichten aufgebaut, die sowohl Zellen aus der obersten Hautschicht (Epidermis) als auch tiefere Zelltypen (Dermis) enthalten und damit elastischer sind als herkömmliche Spalthaut.
«Wir haben ein lebendes, menschliches Hauttransplantat entwickelt, das im Labor aus einer kleinen Hautbiopsie der Patientin oder des Patienten gezüchtet wird», Daniela Marino, CEO Cutiss.
Diese zweischichtigen Hauttransplantate wachsen mit dem Empfänger mit und enthalten körpereigene Zellen, was das Risiko einer Abstossungsreaktion minimiert. «Daten aus langfristigen klinischen Studien zeigen, dass die zweischichtigen Hauttransplantate Wunden sicher verschliessen und gesunde Haut für die Patienten schonen, sagt Daniela Marino, CEO des UZH-Spin-Offs Cutiss, in einer Mitteilung. Auch Narbenqualität verbessere sich im Vergleich zur Standardbehandlung.
Neue Haut für Opfer aus Crans-Montana
Gemäss dem Operationsteam des Universitätsspitals Zürich wurden in ausgewählten Fällen und nach Ermessen der behandelnden Ärzte Gewebeproben von Verbrennungspatient:innen aus Crans-Montana an Cutiss geschickt, um dort biologisch erzeugte Transplantate herzustellen.
Hautersatzt aus der Romandie
Video: AFP | Youtube.
Das zum Waadtländer Universitätsspital (CHUV) gehörige Centre de production cellulaire in Epalinges stellt ebenfalls Hautersatz für schwer verbrannte Patientinnen und Patienten her.
Einerseits werden dort kultivierte Epidermisschichten hergestellt, die bei grossflächigen Verbrennungen eingesetzt werden, wenn nicht genügend Eigenhaut zur Verfügung steht. Grundlage ist eine kleine Biopsie gesunder Haut, die im Labor über zwei bis drei Wochen vermehrt wird. Aus wenigen Quadratzentimetern entstehen dabei mehrere Tausend Quadratzentimeter epidermalen Gewebes.
Andererseits kommt am CHUV aufbereitete Haut des atlantischen Kabeljaus zum Einsatz. Die Fischhaut ähnelt in ihrer Struktur der menschlichen Dermis. Sie wird als eine Art biologisches Gerüst eingesetzt, fördert das Einwachsen körpereigener Zellen und reduziert das Infektions- und Abstossungsrisiko. Bei schweren Verbrennungen dient sie als Zwischenschicht und wird in der Regel durch eine autologe Hauttransplantation ergänzt.
Die Behandlung der Zürcher Hauttransplantate befindet sich in der späten klinischen Entwicklungsphase für Verbrennungen und rekonstruktive Hautchirurgie bei Kindern und Erwachsenen. In die klinische Phase-3-Studie, die im Frühjahr 2025 begonnen hat, werden aktuell neue Patientinnen und Patienten aufgenommen. Rund 20 spezialisierte Verbrennungszentren in der Schweiz und in Europa beteiligen sich an dieser Studie, darunter auch das Universitätsspital Zürich.