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Narkolepsie: Wie die Hauttemperatur den Schlaf beeinflusst

Forschende aus Bern zeigen in Science Translational Medicine, wie das Gehirn Temperaturreize aus der Haut verarbeitet – und welchen Einfluss die Temperatur auf den REM-Schlaf sowie schlafbezogene Störungen hat.

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Eine Studie unter Leitung von Forschenden des Department for BioMedical Research (DBMR), Universität Bern und des Zentrums für experimentelle Neurologie (ZEN), Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital, Universitätsspital Bern liefert erstmals Hinweise, dass die Hauttemperatur ein zentrales Element bei der Steuerung von Gehirnzuständen spielt.

In Zusammenarbeit mit der Universität Lyon zeigte das Team, dass das Gehirn über neuronale Systeme verfügt, die empfindlich auf Hauttemperatur reagieren. Bei Narkolepsie bestimmen diese wie ein Schalter, ob das Hirn in den Schlafzustand (REM-Schlaf) übergeht oder im Wachzustand eine Muskellähmung auslöst.
Kataplexie bei kälterer Haut wahrscheinlicher
Um die Auswirkungen der Hauttemperatur auf den Schlaf bei Narkolepsie zu untersuchen, verfolgten die Forschenden einen translationalen Ansatz: «Die Studie verbindet klinische Schlafmedizin an Patienten und Patientinnen mit experimenteller Grundlagenforschung an Tieren», sagtLetztautor Markus Schmidt in einer Mitteilung.
Die Forschenden identifizierten im Hypothalamus spezielle Nervenzellen (MCH-Neurone), die empfindlich auf die Hauttemperatur reagieren und mitsteuern, in welchen Schlaf- oder Wachzustand das Gehirn wechselt.

Die Studie zeigt erstmals, dass die Hauttemperatur gezielt Gehirnzustände wie REM-Schlaf und kurzzeitige Muskellähmungs-Episoden im Wach-Zustand (Kataplexie) steuert. Eine erhöhte Hauttemperatur verstärkte den REM-Schlaf, während sie die Kataplexie unterdrückt. Ein Absinken der Hauttemperatur verstärkte hingegen die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Kataplexie bei Patientinnen und Patienten mit Narkolepsie ebenso wie bei narkoleptischen Mäusen.
Perspektiven für Menschen mit Narkolepsie
«Unsere Erkenntnisse zeigen, wie eng Gehirn und Körper miteinander kommunizieren», sagt Claudio Bassetti, Co-Autor der Studie und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Bern und Direktor Lehre und Forschung der Insel Gruppe AG. Dies eröffne neue Möglichkeiten, gezielt Symptome wie Kataplexie mittels alltagstauglichen, nicht-medikamentösen Ansätzen zu reduzieren.

Als nächstes wollen die Forschenden prüfen, ob und wie die gezielte Veränderung der Hauttemperatur bei narkoleptischen Patientinnen und Patienten den REM-Schlaf fördern und Kataplexie-Anfälle vermindern kann.

Zur Originalpublikation:
  • Viberti B, Bellini S, Chancel A, et al.: «Skin thermal dynamics and hypothalamic thermosensitivity dissociate REM sleep and cataplexy in narcolepsy», in: «Science Translational Medicine», Januar 2026.
  • DOI: 10.1126/scitranslmed.adu8570

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