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imageBild: SWISS100 | Jos Schmid

Schweizer Hundertjährige altern anders

Bestimmte Plasma-Proteine von Hundertjährigen aus der Schweiz entsprechen eher dem Profil von 30- bis 60-Jährigen als jenem von Hochbetagten. Das zeigen Ergebnisse aus der «Swiss 100» Studie.

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Eine gemeinsame Forschungsgruppe der Universität Genf (UNIGE) und der Universität Lausanne (UNIL) hat das Serum von 39 Hundertjährigen im Alter zwischen 100 und 105 Jahren untersucht – 85 Prozent davon Frauen. Zum Vergleich dienten 59 Hochbetagte (80-89 Jahre) sowie 40 Erwachsene zwischen 30 und 60 Jahren.

Insgesamt bestimmten die Forschenden 724 Proteine im Plasma, darunter 358 Entzündungsmarker und 366 kardiovaskuläre Marker. Bei 37 dieser Proteine zeigte sich ein Expressionsmuster, das eher dem der 30- bis 60-Jährigen entspricht als jenem der Achtzigjährigen.
Weniger oxidativer Stress
Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede bei fünf Proteinen, die mit oxidativem Stress in Verbindung stehen. Die Hundertjährigen wiesen niedrigere Konzentrationen zentraler antioxidativer Proteine auf – ein Befund, der zunächst erstaunte.

«Auf den ersten Blick wirkt das kontraintuitiv», sagt Karl-Heinz Krause von der Medizinischen Fakultät der UNIGE, der den biologischen Teil der Studie leitete. «Tatsächlich deutet es darauf hin, dass der oxidative Stress bei unseren Hundertjährigen deutlich geringer ist – sie müssen daher weniger antioxidative Proteine produzieren, um sich zu schützen.»

Weitere Unterschiede betrafen:
  • Proteine, die die extrazelluläre Matrix regulieren,
  • Entzündungsmarker, darunter Interleukin-1 alpha,
  • Proteine des Lipidstoffwechsels.
Auffällig war zudem die gute Erhaltung des Enzyms DPP-4, das das Hormon GLP-1 abbaut. Dies könnte Hundertjährige vor Hyperinsulinismus und dem metabolischen Syndrom schützen.

Auch dabei handle es sich um einen kontraintuitiven Mechanismus, erklärt Flavien Delhaes von der UNIGE: «Die Hundertjährigen scheinen einen stabilen Glukosestoffwechsel zu bewahren, ohne grosse Mengen Insulin produzieren zu müssen.»
Lebensstil bleibt entscheidend
Langfristig könnten die Resultate neue therapeutische Ansätze eröffnen, um der Gebrechlichkeit im Alter entgegenzuwirken. Vorerst verweisen die Forschenden jedoch auf einen bekannten, aber oft unterschätzten Faktor: den Lebensstil.

Der genetische Anteil an der Langlebigkeit liege bei lediglich rund 25 Prozent. «Der Lebensstil im Erwachsenenalter ist ein entscheidender Hebel», betonen die Autoren – insbesondere Ernährung, körperliche Aktivität und soziale Kontakte.

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