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Was bei ADHS wirklich hilft – und was nicht

Eine internationale Forschungsgruppe hat mehr als 200 Meta-Analysen zur Behandlung von ADHS ausgewertet – und stellt die Ergebnisse in einem frei zugänglichen Online-Tool zur Verfügung.

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Medikamente bleiben die am besten belegte Behandlungsoption für Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.

Zu diesem Schluss kommt ein internationales Team der Université Paris Nanterre, des Instituts Robert-Debré du Cerveau de l'Enfant und der University of Southampton. Ihre Einschätzung basiert auf über 200-Metaanalysen.
Medikamente verbessern Symptome spürbar
Die im «British Medical Journal» veröffentlichte Studie gilt als die bislang umfassendste Bewertung aller gängigen ADHS-Therapien. Die Ergebnisse stützen weitgehend die bestehenden internationalen Leitlinien.

Wirksame Wirkstoffe bei Kindern und Jugendlichen:
  • Methylphenidat: zeigte konsistente Effekte über verschiedene Beurteiler hinweg (z. B. Spitäler, Eltern, Lehrpersonen) mit hoher Evidenz
  • Amphetamine (Stimulanzien-Gruppe): wirksam, v. a. in klinischen Ratings teils grosse Effekte; je nach beurteilender Person schwankender und teils geringere Evidenz.
  • Atomoxetin (Nicht-Stimulans): mittlere Effekte, moderate Evidenz.
  • Alpha-2-Agonisten (Nicht-Stimulanzien wie Guanfacin und Clonidin): mittlere bis grosse Effekte, teils hohe Evidenz.
  • Viloxazin (Nicht-Stimulans): kleine bis mittlere Effekte, moderate Evidenz.

Wirksame Wirkstoffe bei Erwachsenen:
  • Methylphenidat
  • Atomoxetin
  • Amphetamine: vor allem in Sensitivitätsanalysen mit niedrigem Bias-Risiko der Studien klarer unterstützt.
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT/CBT) zeigte bei Erwachsenen ebenfalls moderate Evidenz für Symptomverbesserung.

Allerdings beziehen sich sämtliche belastbaren Ergebnisse auf kurzfristige Endpunkte – obwohl viele Betroffene über deutlich längere Zeiträume behandelt werden.
Und nicht-medikamentöse Therapien?
Andere Interventionen wie Akupunktur, Achtsamkeit oder Bewegung zeigten Hinweise auf potenziellen Nutzen. Die zugrunde liegenden Studien waren jedoch meist von niedriger Qualität, umfassten kleine Teilnehmergruppen und wiesen ein erhöhtes Verzerrungsrisiko auf.
«Lange Wartelisten in der psychischen Gesundheitsversorgung sind ein grosses Problem. Falsche Informationen über Behandlungen können den Weg der Betroffenen zusätzlich erschweren – etwa wenn Zeit und Geld für nicht evidenzbasierte Ansätze verloren gehen.» Corentin Gosling, Erstautor.
Ähnliche Einschränkungen betrafen Studien zur kognitiven Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen sowie Untersuchungen zu langfristigen Effekten von Achtsamkeit bei Erwachsenen.
Interaktives Tool soll Orientierung schaffen
Um Menschen mit ADHS sowie Fachpersonen besser bei Therapieentscheidungen zu unterstützen, entwickelten die Forschenden eine interaktive, öffentliche Website. Die Plattform «EBI-ADHD» (Evidence-Based Interventions for ADHD) erklärt verständlich, wie gut einzelne Interventionen wissenschaftlich abgesichert sind – basierend auf den Ergebnissen der Übersichtsarbeit.

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Plattform EBI-ADHD.

«Wir wissen, dass Menschen mit ADHS und ihre Familien oft von widersprüchlichen Aussagen darüber, welche Behandlungen wirken, überfordert sind», sagt Seniorautor Samuele Cortese von der University of Southampton in einer Mitteilung. «Wir sind überzeugt, dass diese Studie und die begleitende Website derzeit die verlässlichste, evidenzbasierte und zugleich zugängliche Orientierung bieten.»

Zur Plattform EBI-ADHD

Zur Originalpublikation:

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