Home/Weshalb manche Wunden einfach nicht heilen
imageSymbolbild: Adobe Stock.

Weshalb manche Wunden einfach nicht heilen

Chronische Wunden gehören zu den häufigsten Gründen für Amputationen. Nun zeigt eine neue Studie, dass ein verbreitetes Wundbakterium die Heilung aktiv sabotiert – und wie sich dieser Effekt gezielt ausschalten lässt.

Sarah Bourdely22.1.20263"
Forschende aus Singapur und der Schweiz haben einen neuen Mechanismus entdeckt, der erklärt, warum chronische Wunden oft selbst unter Antibiotikatherapie nicht abheilen. Im Fokus steht das weitverbreitete Bakterium Enterococcus faecalis, das häufig in diabetischen Fussulzera vorkommt.

Wie das Team um Guillaume Thibault von der Nanyang Technological University und Kimberly Kline von der Universität Genf in «Science Advances» berichtet, blockiert das Bakterium die Wundheilung nicht primär durch Toxine, sondern durch seinen Stoffwechsel.
Bakterienstoffwechsel und Zellstress
Enterococcus faecalis nutzt den sogenannten extrazellulären Elektronentransport. Dabei entsteht kontinuierlich Wasserstoffperoxid – eine hochreaktive Sauerstoffverbindung, die lebendes Gewebe schädigen kann.

Die betroffenen Zellen schalten daraufhin in einen Schutzmodus – und verlieren ihre Fähigkeit, in die Wunde einzuwandern und das Gewebe zu schliessen. Entscheidend: Wird das Wasserstoffperoxid mit einem antioxidativen Enzym wie Katalase neutralisiert, können sich die Hautzellen erholen und die Wunden schliessen.
Antioxidantien statt Antibiotika
«Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Stoffwechsel der Bakterien selbst die eigentliche Waffe ist – eine bislang unbekannte Erkenntnis», sagt Guillaume Thibault in einer Mitteilung. «Anstatt uns darauf zu konzentrieren, die Bakterien mit Antibiotika zu töten, was zunehmend schwierig wird und neue Resistenzen fördert, können wir die schädlichen Produkte blockieren und so die Wundheilung wiederherstellen.»

Die Forschenden sehen darin die Grundlage für neue Wundauflagen mit antioxidativer Wirkung. Da entsprechende Substanzen bereits gut bekannt sind, könnte der Schritt von der Forschung in die klinische Praxis vergleichsweise rasch erfolgen.

Zur Originalpublikation:
  • Aaron Ming Zhi Tan, Cenk Celik, Stella Yue Ting Lee, et al.: «Enterococcus faecalis redox metabolism activates the unfolded protein response to impair wound healing», in: «Science Advances», Januar 2026.
  • DOI: 10.1126/sciadv.aeb5297

just-medical!
Blegistrasse 5
6340 Baar
Schweiz

www.just-medical.com

Kontakt
info@docinside.ch
+41 41 766 11 55
Redaktionelle Leitung:
Dr. phil. des. Sarah Bourdely
sarah.bourdely@medinside.ch