Er steckt in «zuckerfreien» Getränken, Proteinriegeln und Diäteis: Der Zuckeralkohol Erythrit gilt seit Jahren als scheinbar harmlose Alternative für Menschen mit Diabetes oder auf Low-Carb-Diät.
Doch eine
Studie der University of Colorado Boulder zeigt, dass der Stoff
die Hirngefässe auf zellulärer Ebene negativ beeinflussen kann – und das bereits in geringen Mengen, wie sie in einer Portion Light-Produkt vorkommen.
Zuckerersatz mit unerwarteter Nebenwirkung
In der im «Journal of Applied Physiology» veröffentlichten Studie behandelte das Forschungsteam menschliche Endothelzellen mit Erythrit in Konzentrationen, wie sie im Blut nach dem Konsum eines typischen «zuckerfreien» Getränks auftreten können. Das Ergebnis:
- Die Zellen produzierten weniger Stickstoffmonoxid (NO) – wichtig zur Gefässerweiterung.
- Gleichzeitig stieg die Menge von Endothelin-1, einem gefässverengenden Protein.
- Die Fibrinolyse wurde gehemmt: Auf die Zugabe von Thrombin reagierten die Zellen mit deutlich reduzierter Ausschüttung des gerinnselauflösenden Enzyms t-PA.
- Zudem stieg die Produktion reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) – potenziell zellschädigende freie Radikale.
«Wenn die Gefässe verengt sind und die Fähigkeit, Blutgerinnsel abzubauen, verringert ist, steigt das Schlaganfallrisiko», ordnet Studienautor Auburn Berry die Ergebnisse in einer
Pressemitteilung ein.
Etiketten prüfen – Konsum hinterfragen
Die Studie reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Warnsignalen. Bereits 2023 hatte eine
epidemiologische Studie der Cleveland Clinic mit über 4’000 Teilnehmenden gezeigt, dass hohe Erythrit-Spiegel im Blut mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall assoziiert waren.
«In Anbetracht der epidemiologischen Studie, die unsere Arbeit inspiriert hat, sowie unserer zellulären Ergebnisse glauben wir, dass es für die Menschen klug wäre, ihren Konsum von nicht-nutritiven Süssstoffen wie diesem zu überwachen». Christopher DeSouza, Seniorautor, University of Colorado Physiology.
Obwohl es sich bei der aktuellen Untersuchung um eine reine Zellstudie handelt, raten die Forschenden Produkte mit Erythrit kritisch zu betrachten – insbesondere bei regelmässigem Konsum oder bei Patientinnen und Patienten mit kardiovaskulären Risiken.