ETH Zürich: Forschende drucken elastischen Ohrknorpel
Ein Schweizer Team hat im Labor ein Ohr aus menschlichen Zellen gezüchtet. In Zukunft könnte dies als Ohrimplantat für Personen mit angeborenen Fehlbildungen oder nach Verletzungen dienen.
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Forschende der ETH Zürich haben elastischen Ohrknorpel aus menschlichen Zellen im Labor hergestellt. Das Gewebe behielt im Tiermodell seine Form und zeigte mechanische Eigenschaften, die nahe an natürlichem Ohrknorpel liegen.
An der Studie beteiligt waren auch das Friedrich Miescher Institute for Biomedical Research in Basel sowie das Luzerner Kantonsspital.
Aus menschlichen Zellen gezüchtet
Als Ausgangsmaterial nutzten die Forschenden kleine Knorpelreste, die bei Operationen zur Korrektur der Ohrform anfallen. Die isolierten Ohrknorpelzellen wurden im Labor vermehrt und in eine sogenannte Bio-Tinte eingebettet. Mit einem 3D-Drucker formte das Team daraus Ohrstrukturen, die anschliessend mehrere Wochen im Inkubator reiften.
Nach neun Wochen Vorreifung implantierten die Forschenden die Konstrukte unter die Haut von Ratten. Dort blieben sie über sechs Wochen formstabil und zeigten ähnliche mechanische Eigenschaften wie natürliches Ohrgewebe, wie die ETH mitteilt.
Video: ETH Zürich | Youtube.
Eine zentrale Herausforderung bleibt jedoch die Ausbildung eines stabilen Elastin-Netzwerks, das für die typische Biegsamkeit des Ohrs verantwortlich ist. Erst wenn dieser biologische «Bauplan» besser verstanden ist, könnten klinische Studien folgen.
In Zukunft könnte das Ohr aus dem Labor eine Alternative zur Rekonstruktion mit Rippenknorpel bieten – ein Eingriff, der schmerzhaft sein kann und häufig Narben im Thoraxbereich hinterlässt. Besonders relevant wäre die Methode für Kinder mit Fehlbildungen des äusseren Ohrs oder für Patientinnen und Patienten, die durch Unfälle oder Verbrennungen Teile des Ohrs verloren haben.