Idiopathische Fehlgeburten: Neuer therapeutischer Ansatz am CHUV
Ein Team aus Lausanne hat eine neuartige immunmodulatorische Therapie an zwei Patientinnen getestet – beide konnten ihre Schwangerschaft austragen und ihr Kind zur Welt bringen.
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Wiederholte Schwangerschaftsverluste bleiben trotz umfassender Abklärungen in nahezu jedem zweiten Fall ungeklärt. Zu den seltenen Ursachen zählt die chronische histiozytäre Intervillositis – eine seltene Plazentaerkrankung, die häufig zu frühen und rezidivierenden Fehlgeburten führt.
Bislang waren die therapeutischen Optionen stark begrenzt. Ein interdisziplinäres Team um David Baud, Mathilde Gavillet und Dela Golshayan vom Universitätsspital Lausanne (CHUV) stellt nun eine innovative Behandlungsstrategie vor – direkt inspiriert von der Transplantationsmedizin.
Die Hypothese der Forschenden: Bei bestimmten Patientinnen scheitert die Schwangerschaft aufgrund eines Verlusts der mütterlichen Immuntoleranz gegenüber väterlichen Antigenen, die in der Plazenta exprimiert werden – ein Mechanismus, der dem Transplantatabstoss ähnelt.
Mütterliche Alloimmunisierung als Ursache
Die detaillierte immunologische Analyse zweier Patientinnen zeigte maternale Antikörper gegen fetale HLA-Antigene, die das Komplementsystem auf Plazentaebene aktivieren können.
Die beobachteten histologischen Veränderungen – Fibrinablagerungen, Infiltration durch mütterliche Makrophagen und C4d-Markierung – ähneln den Befunden einer humoralen Abstossungsreaktion in der Organtransplantation.
Grafik: Gavillet et al. (2025)
Auf dieser Grundlage setzten die Klinikerinnen und Kliniker eine Kombinationstherapie aus intravenösen Immunglobulinen, Tacrolimus, Kortikosteroiden und Hydroxychloroquin ein, begleitet von einer engmaschigen Überwachung der plazentaren und fetalen Funktion.
Das Ergebnis: Zwei Schwangerschaften konnten nach mehreren erfolglosen Versuchen bis zum Entbindungstermin ausgetragen werden – ohne schwerwiegende maternale oder neonatale Komplikationen.
«Es bleibt noch viel zu tun»
Auch wenn sich die Ergebnisse bislang auf zwei Fallberichte beschränken, deuten sie darauf hin, dass ein Teil der sogenannten «ungeklärten» Fehlgeburten auf gezielt beeinflussbare alloimmune Mechanismen zurückzuführen sein könnte.
Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch den Bedarf an grösseren Studien, um geeignete Patientinnen zu identifizieren und das optimale Therapieschema festzulegen.
«Es bleibt noch viel zu tun, um die Behandlung weiter zu verfeinern, den optimalen Zeitpunkt für den Therapiebeginn zu bestimmen und ihre Wirksamkeit zu sichern», sagt Mathilde Gavillet in einem Interview mit dem Westschweizer Radio und Fernsehen «RTS».