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Warum sich Eierstockkrebs im Bauchraum so leicht ausbreitet

Metastasen von Eierstockkrebs entstehen besonders häufig im Omentum. Eine Studie aus Basel belegt nun, dass Tumorzellen die gesamte Bauchfellschürze umprogrammieren – auch fernab sichtbarer Metastasen.

Sarah Bourdely6.1.20263"
Eierstockkrebs bleibt oft lange unentdeckt. Bei rund 70 Prozent der Patientinnen liegen zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Tochtergeschwüre im Bauchraum vor.

Besonders häufig betroffen ist das Omentum, auch als Bauchfellschürze bekannt. Dieses fettreiche Gewebe liegt schützend vor dem Darm, erfüllt immunologische Funktionen und spielt eine Rolle bei der Geweberegeneration.

Forschende der Universität Basel und des Universitätsspital Basel haben nun detailliert untersucht, wie Eierstockkrebs dieses Organ verändert – mit potenziell relevanten Folgen für die Therapie. Die Studie ist kürzlich in «Nature Communications» erschienen.
Zellatlas in gesundem und krankem Zustand
Das Team um Francis Jacob und Viola Heinzelmann-Schwarz analysierte 36 Gewebeproben von 15 Patientinnen. Untersucht wurden sowohl Proben von Patientinnen mit Eierstockkrebs und Metastasen im Omentum als auch Proben von Frauen mit anderen Krebserkrankungen, bei denen dieses Organ nicht betroffen war.

Mithilfe moderner Einzelzellanalysen erstellten die Forschenden einen detaillierten Zellatlas – und verglichen den gesunden mit dem krankhaft veränderten Zustand.

Das Resultat: Im gesunden Omentum findet sich eine gleichmässige Zellzusammensetzung. Oberflächenzellen, mesenchymale Stammzellen und Immun-Gedächtniszellen sind in stabiler Balance über das gesamte Organ verteilt.
Der Tumor verändert das gesamte Organ
Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei Eierstockkrebs. Sobald Tumorzellen in das Omentum einwandern, verändern sie dessen biologisches Milieu grundlegend. In den untersuchten Proben fanden sich deutlich mehr Immunzellen – insbesondere solche, die die Immunantwort gegen Tumorzellen abschwächen. Gleichzeitig nahm der Anteil von Oberflächen- und Stammzellen ab.

Die Daten deuten darauf hin, dass sich Teile des gesunden Gewebes in andere Zelltypen umwandeln, die das Überleben und Wachstum von Metastasen begünstigen. Bemerkenswert dabei: Diese Veränderungen betreffen nicht nur Areale mit sichtbaren Tumorherden.

«Ein zentraler Befund ist, dass sich auch Gewebe fern vom Tumor in seiner Zusammensetzung verändert und bereits einzelne Tumorzellen enthält», erklärt Francis Jacob in einer Mitteilung. «Wenn Krebszellen in das Omentum einwandern, kapern sie das gesamte Organ.» Damit gehen nicht nur die normale Gewebestruktur, sondern auch regenerative Eigenschaften des Omentums verloren.
Konsequenzen für die chirurgische Therapie
In der klinischen Praxis wird bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs häufig nur der sichtbar befallene Teil des Omentums entfernt. Die neuen Befunde werfen jedoch die Frage auf, ob ein grosszügigeres chirurgisches Vorgehen sinnvoll sein könnte.

«Bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs stellt sich die Frage, ob neben den sichtbaren Tumoren und Metastasen auch prophylaktisch das komplette Omentum entfernt werden sollte, um das Wiederauftreten von Tumoren zu verringern», so Jacob.

Ob eine weitergehende Omentektomie tatsächlich die Rückfallrate senkt und wie sich ein solches Vorgehen auf die Lebensqualität der Patientinnen auswirkt, müsse allerdings erst in klinischen Folgestudien geprüft werden.

Zur Originalpublikation:
  • Lischetti, U., Liang, CY., Carrara, M. et al.: «Ovarian cancer metastasis to the human omentum disrupts organ homeostasis and induces fundamental tissue reprogramming», in: «Nature Communications», Dezember 2025.
  • DOI: 10.1038/s41467-025-67557-z


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